Grüner Veltliner Superstar

Grüner Veltliner

By Rosenzweig CC-BY-SA-3.0-2.5-2.0-1.0, from Wikimedia Commons

Der wundersame Wandel vom regionalen Schankwein zu einem Grand Seigneur der internationalen Weinszene.

It’s a timeless classic that stood still as the searchlight of fashion passed over it“ („Er ist ein zeitloser Klassiker, der ausharrte, als die Moden der Zeit über ihn hinwegzogen“). In dieser pointierten Weise kommentierte kürzlich Gregory Dal Piaz, Wein-Aficionado und Redakteur der amerikanischen Internet-Weinplattform „Snooth“ den Grünen Veltliner.

Wie in diesem Zitat schon recht deutlich anklingt, wird die autochthone österreichische Weißweinsorte Grüner Veltliner heute in der internationalen Weinszene hoch geschätzt. Selbst in Zeiten der Krise verzeichnen die heimischen Erzeuger Zuwächse im Export.

Das war nicht immer so. Jahrzehntelange fristete der Grüne Veltliner ein Schattendasein als billiger und einfacher Schankwein, ehe er vor rund 20 Jahren auch international an Reputation zulegte. Bis dahin überschritt er die Landesgrenzen (dann freilich in höchst qualitätsvoller Weise ausgebaut) nur in Ausnahmefällen. In der Regel standen damals hinter den vergleichsweise raren Exporterfolgen Winzer aus der Wachau oder aus dem Kamptal.

Mittlerweile hat sich das gründlich geändert. Heute steht der Grüne Veltliner von New York bis Tokyo für fashionablen Weißwein von erlesener Güte. Nicht einmal die sehr deutsche Lautfolge tut dem anhaltenden Verkaufserfolg einen Abbruch. Im Englischen ist zwar im Sprachgebrauch der Weinkonsumenten das „Ü“ weitgehend verschwunden, aber die im angloamerikanischen Sprachgebiet verwendeten Bezeichnungen „Gruner“ oder „Groovy“ sind immerhin noch recht nahe am „Grünen“ dran.

„In 80 Jahren wird es keinen Grünen Veltliner mehr geben“ klagte kürzlich bestürzt der Sohn eines österreichischen Spitzenwinzers aus dem Kremstal. Damit war die als verderblich eingeschätzte längerfristige Auswirkung des gegenwärtigen Klimawandels auf den Charakter des Grünen Veltliners – wie wir ihn heute kennen und schätzen – gemeint. Dessen Vater, der Altwinzer, nahm es gelassener. Schlagfertig entgegnete er: „Na und, vor 50 Jahren hat’s auch keinen Grünen Veltliner gegeben.“

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