Über Amphorenweine

Foto khalampre auf http://flickr.com

In Österreich beschäftigt sich derzeit eine Gruppe von Winzern mit Ursprünglichkeit und Erdigkeit. Ganz bewusst greifen sie im Zeitalter der fortschreitenden Industrialisierung und Digitialisierung unserer Lebenswelt auf die jahrtausendealte Methode der Weinbereitung in der Amphore zurück. Auf technische Hilfsmittel wird dabei weitgehend verzichtet.

Der Ausbau von Wein in der Amphore hat eine über 6000jährige Geschichte. Die Methode, deren Ursprung von Historikern in Georgien geortet wurde, verbreitete sich – bis zur Erfindung des Holzfasses im 2. nachchristlichen Jahrhundert – über Griechenland und Rom bis nach Portugal. In Georgien und Portugal – im Alentejo – wird dieser Weinbereitungsstil gleichsam ohne Unterbrechung seit der Antike bis heute angewandt.

Der rezente Trend Weine in Amphoren – auch als “Quevri” bezeichnet – auszubauen hat Ende der 1990er Jahre in Italien begonnen und findet heute weltweit und auch in Österreich Apologeten, die häufig auch bio-dynamisch produzieren.

Was suchen diese zeitreisenden Winzer und was treibt sie voran? Nach meinen Wahrnehmungen wollen die Amphorenwinzer Ursprünglichkeit, Unverfälschtheit und Bekömmlichkeit finden. Es ist kein Zufall, dass vor allem bio-dynamische Winzer diesen Weg gehen. Wer schon im Weingarten schonend arbeitet und ohne synthetische Hilfsmittel wie Herbizide und Pestizide auskommt, dem ist die Amphore gerade recht. Das Lesegut wird häufig samt Kämmen und Schalen in die dünnwandigen Tongefäße gekippt. Vielfach werden die Trauben vorher noch nach althergebrachter Methode barfuß gestampft.

Einmal in die Amphore eingebracht bleiben Maische und Most sich selbst überlassen. In weiterer Folge wird der – von der Maische getrennte – vergorene Rebensaft entweder direkt abgefüllt oder im Eichenfass respektive Stahltank weiter ausgebaut. Ein wesentlicher Aspekt der Weinwerdung ist den Winzern zufolge der Kontakt der Amphore mit der sie umgebenden Erde. Die solcherart ermöglichte Kommunikation des Weins mit der Erde durch die dünnwandigen Tongefäße hindurch spiegle im Endprodukt das Terroir und die Energie der Region wider, sagen Amphorenwinzer.

Wein zuerst kaufen, dann genießen => burgWeine | Grüner Veltliner
  1. Mariëlla’s Avatar

    Sehr gutes und deutliches Artikel, Thomas, Danke! Aber ich frage mich: wenn dass contact mit dem Erde so wichtig ist, warum hat Domäne Wachau dann eine Amphore im Kellergeschoss stehen? Dann fehlt doch dass contact? Hasst du darauf ein Antwort? (Und Verzeihung für mein Deutsch, aber ich habe trotzdem versucht aufs Deutsch zu schreiben ;-))

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    1. Thomas N. Burg’s Avatar

      Hi Mariëlla, soweit mir bekannt ist, gehört das Vergraben – in der Weingartenerde – zur Philosophie des Gärprozess in der Amphore. In Portugal stehen die Amphoren allerdings auch außerhalb. Also da gibt's Spielraum :-)

    2. Thomas N. Burg’s Avatar

      Übrigens: dein Deutsch ist exzellent!

    3. Steffen Hansen’s Avatar

      Der Unterschied rührt aus den zwei unterschiedlichen Traditionen her. Die eine ist die spanische in Tinachas und die andere die georgische "Methode Kartuli" aus Georgien. Ein georgischer Kvevri würde platzen wenn man ihn außerhalb der Erde füllt, denn die Wandungsstärke beträgt nur 1,5cm. Die ganze Information zu dem Thema finden Sie unter http://www.kvevri.org

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